Tankstelle ( Tanke )
| Die Tankstelle ist erst Anfang des 20 Jahrhunderts „erfunden“ worden. Benzin und Petroleum wurde bis dato in der Apotheke verkauft. Auch ein Tankstellenverzeichnis aus dieser Zeit enthält nur Drogerien, Apotheken, Hotels und Gaststätten. Der Treibstoff wurde damals in allen erdenklichen Gefäßen abgefüllt. |
Erst später traten Sicherheitsverordnungen in Kraft, wonach nur in vorschriftsmäßigen Behältnissen abgefüllt werden durfte. Mit dem Aufkommen des motorisierten Verkehrs kamen auch die Tankstellen, allerdings immer in Verbindung mit Werkstätten, die wiederum aus den damaligen Schmieden und Schlossereien entstanden. Selbst zu diesem Zeitpunkt gab es immer noch die Faßpumpe, wie sie auch in der heimischen Garage stand. Der Vorläufer der heutigen BP legte einen Standard für Tankstellen fest, dabei verschwanden auch die Faßpumpen und wurden durch unterirdische Tanks ersetzt. Eine Tankstelle wie wir sie heute kennen entstand zuerst 1922 in Hannover am Raschplatz. Tankstellen waren im Sortiment zuerst nur auf Kraftstoffe beschränkt, später kamen Öle, Leuchtmittel und nach und nach auch Waren des täglichen Bedarfs hinzu. Heute ähneln die meisten Tankstellen eher einem Supermarkt als einer Zapfstelle für Kraftstoffe. Tankstellen hatten an Autobahnen länger geöffnet und unterliegen bis heute nicht dem Ladenschlussgesetz. Zuerst wurden nur Leichtbenzine und Petroleum an den Tankstellen angeboten. Später kamen Benzol und Benzin dazu. Der Dieselkraftstoff war an Tankstellen lange nicht üblich, da nur LKW diesen Kraftstoff verwendeten und auf dem Betriebshof betankt wurden. Ab 1980 kamen neue Kraftstoffe wie Autogas, Erdgas und Wasserstoff hinzu. Biodiesel war der erste Kraftstoff der einen anderen ersetzen sollte und zwar den Diesel. Mit Einführung des Füllrüssels kamen immer mehr Verordnungen hinsichtlich des Umgangs mit Kraftstoffen. Die Verordnung zum Umgang mit brennbaren Stoffen ist nur eine. Sie resultierte aus der Abfüllung der Kraftstoffe Die letzte größere Verordnungswelle für Tankstellen gab es Ende der Neunziger Jahre hinsichtlich des Umweltschutzes. Im Rahmen dieser Umbaumaßnahmen wurden viele kleinere Tankstellen geschlossen. Der Umbau war entweder zu teuer oder lohnte sich nicht vom Aufwand. Die Tankstelle die es bis heute noch gibt sind Supermarkt, Treffpunkt und Service-Stelle für zahlreiche Dienste. In ländlichen Regionen übernimmt die Tankstelle die Funktion des Treffpunkts für Jugendliche. Durch das vielfältige Serviceangebot traten zusätzliche Verordnungen in Kraft, wie zum Beispiel über das Ausschänken von Getränken, den Umgang mit Lebensmitteln. Eine Zeit lang war es sogar verpönt an der „Tanke“ zu kaufen, da man feststellte, dass die Ware durch ihre Nähe zum Kraftstoff mit dessen Dämpfen in Berührung kamen. Im Zuge der Umweltschutzverordnungen wurden jedoch auch Absauganlagen für die Gase an den Zapfsäulen Pflicht. Das Umweltbewusstsein, die zahlreichen Verordnungen haben aus den einstigen Stellen für die Entnahme von Kraftstoffen hochmoderne Tankstellen mit Zapfanlagen hervorgebracht, die ganz selbstverständlich zum Straßenbild gehören.
Den Löwenanteil an Tankstellen teilen sich bis auf wenige freie Tankstellen die großen Ölkonzerne wie Shell, Esso, Aral oder BP untereinander auf. Dicht gefolgt von den mittelständischen Ketten. In diesem Zusammenhang werden auch immer wieder die Unabhängigen genannt. Es gibt „freie“ und „weiße“ Tankstellen. Die Bezeichnung der freien Tankstelle im Gegensatz zu den weißen Tankstellen ist, das die Weißen die Kraftstoffe der „Großen“ ohne Markennamen verkaufen und die freien am Markt den günstigsten Kraftstoff erwerben.
Abschließend muss noch erwähnt werden, dass Tankstellen bei Ihrer Errichtung heute dem WHG ( Wasserhaushaltsgesetz ) unterliegen und dementsprechend von einem Fachbetrieb errichtet werden müssen. Von der ersten Entnahmestelle ( Apotheke ) bis zur heutigen hochtechnisierten Tankstelle sind so gravierende Unterschiede, dass ein Vergleich schwer fällt.



